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Begleitverletzungen beim schweren Beckentrauma

Research paper by A. Siegmeth, Th. Müllner, Ch. Kukla, V. Vécsei

Indexed on: 01 Jul '00Published on: 01 Jul '00Published in: Der Unfallchirurg



Abstract

Die Prognose schwerer Beckenverletzungen wird beim Vorliegen peripelviner Begleitverletzungen entscheidend verschlechtert. Zusätzliche Verletzungen der Urogenitalorgane, Gefäße, Nerven und intraabdominellen Organe treten hier am Häufigsten auf. Im Zeitraum von 1992–1997 wurden 126 Patienten mit einem schweren Beckentrauma behandelt; 39 davon erlitten peripelvine Begleitverletzungen und sind Gegenstand dieser Untersuchung; 16 (41%) der 39 Patienten wiesen eine Typ-B-Beckenfraktur und eine 23 (59%) eine Typ-C-Fraktur auf. Am Häufigsten trat die Mitverletzung eines intraabdominellen Organs (58,9%), gefolgt von Urogenitalverletzungen (46,6%) auf. Verletzungen der pelvinen Nerven kamen in 25,6% und Gefäßverletzungen in 15,3% der Fälle vor. Von den extrapelvinen Begleitverletzungen überwog die Thoraxverletzung (56,4%), gefolgt vom Schädel-Hirn-Trauma (SHT) (33,3.%). Der durchschnittliche Hannover Polytraumascore betrug 35,6 Punkte, der durchschnittliche Injury Severity Score (ISS) 27,6 Punkte. Es wurden 21 Osteosynthesen (53%) am Beckenring durchgeführt, 8 bei Typ-B-Frakturen (50%) und 13 bei Typ-C-Verletzungen (56%). Bei den Typ-B-Verletzungen wurde der vordere Beckenring 4mal mit einer Zuggurtung, 2mal mit einem Fixateur und einmal mit einer Platte stabilisiert. Bei Typ-C-Verletzungen erfolgte die Stabilisierung 6mal nur mit einem Fixateur externe. In 4 Fällen wurde der dorsale Beckenring zusätzlich mit Sakralstäben versorgt. Bei 3 Patienten mußte zusätzlich eine Acetabulumfraktur von ventral stabilisiert werden. All überlebenden 28 Patienten konnten durchschnittlich nach 18 (7–59) Monaten nach dem Schema der “,Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie” klinisch und radiologisch nachuntersucht werden; 53,4% der B-Frakturen wiesen ein sehr gutes bis gutes Ergebnis, 47,6% ein mäßiges bis schlechtes auf. Beim Typ C lag in 15,4 % ein gutes und in 84,6% ein mäßiges bis schlechtes Ergebnis vor; 80% der Patienten mit Typ-B-Frakturen hatten ein gutes, 20% ein mäßiges radiologischen Ergebnis; 23% der Patienten mit Typ-C-Frakturen wiesen ein gutes, 77% ein mäßiges bis schlechtes radiologisches Ergebnis auf; 3 Patienten hatten Miktionsstörungen nach einer Urethraverletzung. Alle 10 Patienten mit einer primär erlitten Nervenverletzung wiesen zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung sensible und motorische Defizite des Plexus lumbosakralis bzw. auf. Die Mortalitätsrate betrug 28%. 7 Patienten verstarben in der Akutphase, vier während der Intensivbehandlung. Das Management komplexer Beckenverletzungen ergibt sich aus der Kombination der Therapie der Beckenringverletzung und der Begleitverletzung. Bei hämodynamischer Instabilität müssen Verletzungen der parenchymatösen Organe oder großer Gefäße notfallmäßig versorgt werden. Verletzungen kleiner Gefäße können angiographisch embolisiert werden. Blasenrupturen werden primär, Urethrarupturen postprimär versorgt. Der Fixateur externe wird in der Akutphase zur Primärtherapie der Beckenringverletzung bzw. zur Blutungskontrolle durch externe Kompression angelegt. Transpubische Instabilitäten können mit dem Fixateur externe zur Ausheilung gebracht werden. Symphysenrupturen erfordern eine interne Osteosynthese. Bei Typ-C-Frakturen wird die erforderliche dorsale Stabilisierung erst postprimär am 4. bis 5. Tag durchgeführt.