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Begleitmedikation Notwendigkeit, Nebenwirkungen und Interaktionen in der perioperativen Phase

Research paper by A. Roth, R. Angster, H. Forst

Indexed on: 27 May '14Published on: 27 May '14Published in: Der Anaesthesist



Abstract

Arzneimittelinteraktionen sind aufgrund der Polymedikation vor allem der älteren Bevölkerung bei hospitalisierten Patienten häufig und oft mit unerwünschten Nebenwirkungen behaftet. Im Rahmen einer Allgemeinanästhesie kommen eine Reihe sehr potenter Wirkstoffe mit zum Teil geringer therapeutischer Breite zur Anwendung. Um unerwünschte Arzneimittelinteraktionen zu vermeiden, muß eine gezielte Medikamentenanamnese erhoben werden und das Spektrum der Interaktionen mit den in der perioperativen Phase verwendeten Substanzen bekannt sein. Nur wenige der dauerhaft von den Patienten eingenommenen Medikamente müssen vor einer Narkose abgesetzt werden. Dazu zählen MAO-Hemmer der 1. Generation, lang wirkende ACE-Hemmer, wenn mit erheblichen Volumenverlusten gerechnet wird, Thrombozytenaggregationshemmer bei geplanter rückenmarknaher Regionalanästhesie, lang wirkende Sulfonylharnstoff-Antidiabetika und das orale Antidiabetikum Metformin. Meist kann durch Modifikation der Narkoseführung die Vormedikation berücksichtigt und dadurch entweder kritische Kombinationen von Substanzen oder unerwünschte Wirkungen vermieden werden. Dies gelingt um so leichter, da die meisten in der Anästhesie eingesetzten Medikamente ohnehin nach ihrer Wirkung dosiert werden. Oft birgt gerade das präoperative Absetzen der Dauertherapie die eigentlichen Gefahren: dies gilt insbesondere für die Behandlung mit β-Blockern, Antihypertensiva, Nitraten, Antiarrhythmika, bestimmten Psychopharmaka und die medikamentöse Behandlung des Morbus Parkinson. Bei perioperativ eingeschränkten Organfunktionen kann der Serumspiegel von Substanzen mit geringer therapeutischerBreite (Digitalis, Theophyllin, Antiepileptika, Lithium, Aminoglykoside) bestimmt werden. Etwa 10% der mitteleuropäischen Bevölkerung weisen genetisch determinierte Enzymdefekte des Cytochrom P450-Systems auf, die eine verlangsamte Metabolisierung auch perioperativ eingesetzter Arzneimittel zur Folge haben. Nur wenig bekannt ist über Medikamenteninteraktionen bei Therapie mit zahlreichen hochpotenten Medikamenten im Bereich der Intensivmedizin und gleichzeitiger Multiorgandysfunktion.