Quantcast

Anfälle in der Neugeborenenperiode

Research paper by D. Rating

Indexed on: 30 May '13Published on: 30 May '13Published in: Zeitschrift für Epileptologie



Abstract

In den USA erleiden 1,5–3,0/1000 Neugeborene (NG) einen Anfall in der Neugeborenenperiode; die Rate bei Frühgeborenen (FG) ist deutlich größer. Das Erkennen von Anfällen bei reifen und v. a. bei unreifen NG ist unverändert schwierig. Die Semiologie der Anfälle im NG-Alter unterscheidet sich erheblich von der in späteren Lebensabschnitten. Nicht immer kommen das klinische und das EEG-Anfallsbild zur Deckung. Die Einführung von amplitudenintegrierten EEG als „bedside monitoring“ hat sicherlich dazu beigetragen, Anfälle früher zu erkennen und die Therapie besser zu steuern. Die Grunderkrankung bestimmt in erster Linie die Prognose der Kinder. In den letzten Jahren erhobene tierexperimentelle Daten weisen jedoch nach, dass die Anfälle selbst zu morphologischen Veränderungen beitragen können. Diese sind bei Vorschädigungen des Zentralnervensystems (ZNS) stärker ausgeprägt. Die Bedeutung dieser zusätzlichen Schädigung durch Anfälle tritt jedoch hinter die durch die Grunderkrankung deutlich zurück. Für zahlreiche Antiepileptika [u. a. Phenobarbital (PB), Valproat (VPA), Phenytoin (PHT), Carbamazepin (CBZ), Lamotrigin (LTG)], nicht jedoch für Levetiracetam (LEV) und Topiramat (TPM) konnte eine gesteigerte Apoptoserate bei der neonatalen Ratte nachgewiesen werden. Ob diese Daten wirklich vollständig auf den Menschen übertragen werden können, ist noch nicht entschieden. Diese Diskussion hat aber dazu beigetragen, dass LEV, für das in kleinen Fallserien die Wirksamkeit belegt werden konnte und keine gesteigerte Apoptose berichtet wurde, von vielen Kliniken als Alternative bzw. sogar als 1. Medikament bei Anfällen in der NG-Periode eingesetzt wird.